Die Jahrestagung des Arbeitskreises Säkularität und Humanismus (AKSH) der SPD im Januar 2026 markiert einen wichtigen Schritt hin zu einer konsequent säkularen Politik innerhalb einer der zentralen Parteien Deutschlands. Für die säkulare Zivilgesellschaft und aus Sicht der gbs Karlsruhe sind die dort gefassten Beschlüsse von besonderer Bedeutung: Sie greifen zentrale Forderungen auf, die seit Jahren von Konfessionsfreien erhoben werden.
Weltanschauliche Neutralität als Leitprinzip
Bereits der Auftakt der Tagung im Deutschen Bundestag machte deutlich, dass sich der AKSH ausdrücklich zu einem weltanschaulich neutralen Staat bekennt. Diese Position entspricht einem Kernanliegen der gbs: Staatliche Neutralität ist keine abstrakte Idee, sondern eine Voraussetzung für gleiche Freiheitsrechte – gerade in einer Gesellschaft, in der konfessionsfreie Menschen längst die größte weltanschauliche Gruppe stellen.
Dass Säkularität innerhalb der SPD zunehmend nicht mehr als Randthema, sondern als demokratietragendes Prinzip verstanden wird, ist ein wichtiges Signal – auch über die Partei hinaus. Darauf ging der Vorsitzende des Zentralrats der Konfessionsfreien, Philipp Möller, in seinem Grußwort zu Beginn der Jahrestagung ein.
Staatsleistungen: Ein überfälliger Schritt wird konkret
Besonders bedeutsam aus gbs-Sicht ist der auf der Tagung vorgestellte und verabschiedete Entwurf eines Grundsätzegesetzes zur Ablösung der Staatsleistungen an die Kirchen. Seit über 100 Jahren ist dieser Verfassungsauftrag unerfüllt, während weiterhin jährlich hohe Summen an die Kirchen fließen – unabhängig von Mitgliedszahlen oder gesellschaftlicher Relevanz.
Der AKSH-Entwurf greift zentrale Forderungen der säkularen Bewegung auf:
- Transparenz bei der Berechnung,
- Rechtssicherheit für Bund und Länder,
- ein klarer politischer Wille zur tatsächlichen Ablösung.
Dass diese Punkte nun innerhalb der SPD konkretisiert werden, ist ein Fortschritt, den auch der Zentralrat der Konfessionsfreien ausdrücklich begrüßt hat. Für die gbs Karlsruhe ist klar: Ohne politischen Druck aus den Parteien wird es keine echte Trennung von Staat und Kirche geben – der AKSH leistet hier einen wichtigen Beitrag.
Islamismusprävention: Säkularität schützt Menschenrechte
Auch die verabschiedete Resolution zur Islamismusprävention ist aus säkular-humanistischer Perspektive zentral. Der AKSH stellt unmissverständlich klar, dass islamistische Organisationen keine legitimen Dialogpartner sein dürfen – eine Position, die die gbs seit Jahren vertritt.
Besonders hervorzuheben ist der menschenrechtliche Fokus:
Der Schutz von Frauen, queeren Menschen, liberalen Musliminnen und Muslimen wird ausdrücklich benannt. Dazu hielt Tugay Saraç eine eindrucksvolle Rede. Damit wird deutlich, dass Religionsfreiheit dort endet, wo religiöse Ideologien Freiheitsrechte einschränken. Eine solche Klarheit ist Voraussetzung für glaubwürdige Präventionspolitik und unterscheidet säkulare Positionen deutlich von kulturrelativistischen Ansätzen.
Konfessionsfreie Seelsorge: Ein blinder Fleck staatlicher Praxis
Ein weiteres wichtiges Thema zeigte sich auch im Workshop zur Seelsorge in staatlichen Einrichtungen. Während religiöse Angebote fest etabliert und staatlich finanziert sind, bleiben konfessionsfreie Menschen in Bundeswehr, Justizvollzug und Gesundheitswesen vielfach unberücksichtigt.
Die Diskussion internationaler Modelle – etwa aus den Niederlanden – unterstrich, dass weltanschaulich offene oder humanistische Seelsorge keine Randidee, sondern eine realistische Alternative ist. Aus gbs-Sicht bestätigt dies: Staatliche Angebote müssen sich an der gesellschaftlichen Realität orientieren, nicht an überkommenen kirchlichen Privilegien.
Stärkung säkularer Strukturen innerhalb der SPD
Der Workshop zur regionalen Vernetzung machte deutlich, dass der AKSH zunehmend auch organisatorisch an Gewicht gewinnt. Initiativen Konfessionsfreier, Kooperationen mit säkularen Verbänden und gezielte Öffentlichkeitsarbeit zeigen, dass säkulare Positionen in der SPD systematischer vertreten werden.
Für die gbs Karlsruhe ist diese Entwicklung wichtig: Politische Veränderungen entstehen nicht allein durch Argumente, sondern durch Strukturen, die diese Argumente dauerhaft in Parteien und Parlamente tragen.
Fazit: Wichtige Fortschritte – aber kein Selbstläufer
Die Jahrestagung des AKSH 2026 zeigt, dass zentrale Forderungen der säkularen Bewegung zunehmend Eingang in die Programmatik der SPD finden. Der Entwurf zur Ablösung der Staatsleistungen, die klare Haltung gegen Islamismus und die Thematisierung konfessionsfreier Seelsorge sind Schritte in die richtige Richtung.
Aus Sicht der gbs Karlsruhe bleibt jedoch klar: Entscheidend wird sein, ob diesen Beschlüssen auch politisches Handeln folgt. Die säkulare Zivilgesellschaft wird diesen Prozess weiterhin kritisch begleiten – und dort unterstützen, wo weltanschauliche Neutralität, Menschenrechte und die Trennung von Staat und Religion konsequent vorangebracht werden.